Archiv der Kategorie: Reisetagebuch

Teneriffa – Total Immersion

Total Immersion

Nach meinem Kraxeltag entllang der Lavaküste ließen mich meine Waden komplett im Stich. Während die üblichen Rückenschmerzen dank der Five Fingers wegblieben, waren meine Wadenmuskeln diese Art von Belastung nicht gewohnt.

Mir blieb also nichts anderes übrig als einen Pooltag einzulegen. Neben der ungetrübten Sicht auf den Teide, die ich von der Hotelwiese hatte, konnte ich meine ersten Übungen in ‚Total Immersion‚ machen.

Total Immersion

Total Immersion‚ ist ein Trainingsansatz für das Schwimmtraining. Entwickelt wurde es von Terry Laughlin, mit dem Ziel sich müheloser und effizienter im Wasser zu bewegen.

Schwimmen war schon immer meine Achillesferse. Als Kind hatte ich Angst vor Wasser und hab heute immer noch gehörigen Respekt davor. Ich habe sehr spät Schwimmen gelernt und obwohl ich recht gut Brustschwimmen kann, fühle ich mich im Wasser immer noch wie ein Fremdkörper.

‚Total Immersion‘ verspricht Abhilfe. Bewaffnet mit den Übungen aus dem Buch – genannt Drills – begebe ich mich in den Hotelpool.

Lektion 1: Gleichgewicht und der „Sweet Spot“

Der Grundansatz hier und in allen weiteren Übungen ist Leichtigkeit. Ich versuche also entspannt mein Gleichgewicht auf dem Rücken im Wasser zu finden und durch leichten Beinschlag vorwärts zu kommen. Die Theorie klappt in der Praxis, ich fühle mich sicher, entspannt und leicht.

Anschließend versuche ich es mit dem Sweet Spot. Hier liegt mein Kopf immer noch entspannt im Wasser, ich drehe aber meinen Körper leicht im Wasser, so dass ich auf einer Seite liege. Diese Übung ist schon schwerer. Immer wieder verspanne ich mich und kehre dann zur ersten Übung zurück. Nach einer gewissen Zeit klappt es aber zumindest auf einer Seite sehr gut, so dass ich entspannt durch den Pool gleite.

Zu guter Letzt probiere ich einige der Übungen zum Brustschwimmen. Auch hier ist der Erfolg unmittelbar. Durch die Umsetzung einiger weniger Tips ziehe ich viel entspannter meine Bahnen.

Mit ‚Total Immersion‘ zum Wasserwesen

Ich ziehe ein erstes Fazit: Es klappt! Vielleicht ist es die positive Einstellung des Buches, vielleicht auch nur mein Anfangsenthusiasmus. Fakt ist aber: Ich fühle mich im Wasser entspannter, leichter, dynamischer. Ich bin kein Klotz mit immensem Wasserwiderstand mehr, sondern ein geschmeidiges Wasserwesen.

Flickr Foto Sir Mervs

Neben dem Schwimmen konnte ich auch meine Wandertour für den nächsten Tag planen. Ein Weg westwärts entlang der Nordküste mit alten Wasseranlagen und einem Lost Place.

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Teneriffa – Kraxeln an der Lavaküste

Üppigkeit

Die Natur erschlägt mich. Palmen, die wildesten Sorten. Lavasand, schwarz und mehlig zwischen meinen Zehen. Alles ständig in voller Blüte. Ein Fruchtwechsel folgt dem anderen. Keine Jahreszeit gibt dem Wachstum etwas Pause. Ständiges Zeugen, Wachsen, Vergehen.

Allgegenwärtig sind Lavagestein und Eidechsen. Hier gibt es keine Mäuse oder kleinen Nager. Nur Eidechsen: in wirren Farben, Längen, Arten. Die Luft ist mild, die Sonne brennt. Es ist so hell, wie auf einem überbelichteten Foto.

Ich gehe mit den Five Fingers auf Erkundungstour. Die ganze Küste ist ein großer Lavaguss, ein Paradies für die Füße. Vom Hafen an entlang der Wassermarke kann ich Klettern und Kraxeln. Ein Schritt nach dem anderen, über die Kanten und Risse, hier ein Fuß gesetzt, da ein kleiner Griff. Eine völlig andere Sicht des überbrodelnden Urlaubsortes.

Krebse jagen davon, sobald mein Schatten auftaucht, Fische springen von einem Wasserloch zum nächsten, das die Brandung angeschwemmt hat. Das Wasserleben ist so dicht, ich beneide die Schnorchler.

Ich arbeite mich an der Küste entlang nach Westen. Der Hafen liegt hinter mir, die spielenden Kinder am Lavastrand. Der Touristenstrand ist schön aufgeräumt, der Strand der Einheimischen verspielter. Beachvolleyballtourniere unter Palmen, Spaziergänger in blühenden Gärten.

Der alte Teil der Stadt, verputzte Mauern, hell in der Atlantiksonne. Die Lavasteine werden immer heißer, barfuß Klettern ist kaum noch möglich. Ich lasse die FiveFingers an. Eine frische Brise vom Meer kühlt die Mittagshitze etwas ab. Überall auf den Felsen sitzen Angler. Eine seltsame Beschäftigung.

Immer wieder hat sich das Meer in die Stadt gefressen. Das Lavagestein schließt mit den Fundamenten der alten Häuser ab. Ich muss auf kleine Treppen, Galerien und Geländer ausweichen.

Das Stadtzentrum liegt hinter mir. Hinter dem Maritimhotel endlich der Blick auf mein Ziel: Playa de Los Roques. Der Strand der drei Felsen (Grande, Chico und La Patita). Drei Felsenkuppen reichen aus dem Wasser. Die Wellen haben hier einen Traumstrand gebildet. Ich krabble noch ein wenig weiter, zu meinem Aussichtspunkt. Hier kann man die ganze Bucht von oben sehen.

Ich muss noch meinen Cache finden. Irgendwo hier zwischen dem Staub der Steine und den Wolfsmilchgewächsen muss er sein. Nach einiger Suche werde ich fündig und kann nun die Aussicht genießen. Hoch über den Felsen lasse ich meine Füße ins Nichts baumeln und kann mich am Anblick des endlosen Atlantiks nicht satt sehen.

Auf dem Rückweg durch die Stadt spüre ich die Anfänge eines unglaublichen Muskelkaters in den Waden. Im Hotel komme ich kriechend an. Meine Beine können und wollen nicht mehr. Die Muskeln verweigern die Arbeit. Meinem Rücken aber, sonst Schmerzkandidad Nummer eins, geht es prächtig.

Roque Chico

Am nächsten Tag musste ich meine Beine dringend schonen und habe einen Pooltag eingelegt.

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Teneriffa – Puerto de la Cruz

Iglesia de Nuestra Senora de la Pena Francia

An meinem ersten Reisetag auf Teneriffa habe ich Puerto de la Cruz erkundet und direkt auch zwei Caches gehoben.

Puerto de la Cruz ist die größte Stadt im Norden Teneriffas. Im Gegensatz zum trocken-heißen Süden mit Sonnengarantie verhängen hier im Norden öfters auch mal größere Wolkenmassen den Himmel.

Lange schon vor den Zeiten des Massentourismus und der Bettenburgen hatte die englischen Wohlhabenden Teneriffa als Erholungsort für sich entdeckt. La Orotava war der Schöne Ort im üppigen Norden, in dem Ferienhäuser und Kurhotels erbaut wurden. Die gute Luft sollte hier den Tuberkulosekranken helfen.

Puerto de la Cruz ist der Hafen von La Orotava. Im Laufe der Zeit hat sich der Ort zum touristischen Zentrum des Nordens entwickelt. Überall kann man sehen, dass die touristische Infrastruktur nicht über Nacht aus dem Boden gestampft wurde, sondern langsam gewachsen ist.

Bei meinem Spaziergang durch den Ort entdecke ich die verschiedenen Seiten von Puerto de la Cruz. Postkoloniale Luxishotels stehen neben kleinen gemauerten Häuschen. Der weiß verputzte Hafen mit seinen Wehranlagen erinnert an die Zeiten der Piratenüberfälle, wohingegen die Hafenpromenade zur Einkaufsmeile für Touristen umfunktioniert wurde. Im alten Ortskern wechseln sich reizende kleine Lokale ab.

Inmitten dieses Troubels entdecke ich meinen ersten Cache: Die ‚Iglesia de Nuestra Senora de la Pena Francia‚ ist die Hauptkirche des Ortes aus dem 17. Jahrhundert. Mitten im alten Ortsteil gelegen kann man auf dem kleinen, sehr schön gestalteten Vorplatz ein wenig Ruhe finden.

Eine Gedenktafel erinnert hier an einen Alten Gelehrten. Auch wenn’s mit meinem Spanisch nicht weit her ist, lassen sich die Fragen zu diesem Virtual Cache schnell beantworten.

Immer wieder werden die Stadtbereiche von kleinen Parkanlagen unterbrochen. Direkt in der Nähe meines Hotels findet sich der ‚Parque Taoro‚. Früher die Grünanlage des alten Grand Hotels ist es heute ein beliebter Erholungsort inmitten der Stadt.

Mittendrin in dieser Pflanzenpracht ist der zweite Cache des Tages – der Traditional mit gleichem Namen – versteckt gewesen. Für einen Terrain-1-Cache war hier ein wenig zu viel Kraxelei angesagt. Der Cache-Besitzer hat die Geländewertung aber mittlerweile angepasst.

Old Scholar

Parque Taoro

Im nächsten Kapitel des Reisetagebuches werde ich euch von einer kleinen Klettertour, meinen Vibram Five Fingers und einem weiteren Cache erzählen.

Flickr Foto Secret Tenerife

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Jason Bourne am Flughafen

on the run

„Wer bezahlt 20.000 für eine Fahrt nach Paris?“
Bourne Identität

Ich gebe es unumwunden zu: Ich finde Geheimagenten unfassbar cool! In wilden Fantasien stelle ich mir regelmäßig vor, wie ich mich als das weibliche Pendant zu Jason Bourne durch prekäre Situationen schlage und allen Gefahren trotze.

Die Wirklichkeit ist da etwas grauer und meist auch langweiliger. Während ich aber so am Gate 4 auf meinen Flug warte, überlege ich mir, welcher der Fluggäste den perfekten Geheimagenten abgeben würde.

Klarer Fall: Derjenige, der am wenigsten auffällt.

Frauen haben es da erstmal einfacher. Per se werden sie als weniger gefährlich eingestuft. Männer gelten eher als potentielle Gefahren. Zumindest so in meiner Vorstellung. Spätestens seit Cate Archer, Mrs. Smith und Yuki7 sollte man auch bei den Damen ein wachsames Auge haben.

Alleine unterwegs zu sein, ist da auch keine gute Lösung. Entweder also mit Partner oder wahlweise mit einer Reisegruppe. Ideal wäre eine Familie mit Kindern. Aber woher die Kinder nehmen? Kann man irgendwo Kinder für Geheimagenteneinsätze mieten? Und wo gibt man die später ab?

Nicht unkritisch ist natürlich auch das Alter. Zwischen 20 und 40 fällt man wahrscheinlich am ehesten auf. Kinder und Senioren haben es da einfacher. Wer verdächtigt schon Bob den Baumeister oder einen rüstigen Rentner?

Outfit und Gepäck sind nicht zu vernachlässigen. Pumps und Rollkoffer erwecken seltener Aufmerksamkeit als Treckingstiefel und Rucksäcke. Wichtige Accessoires sind hier auch aktuell angesagte Handtaschen. Je nach Alterskategorie könnte ein Rollator die perfekte Tarnung abgeben.

Last but not least: Das allgemeine Verhalten. Auffälliges Beobachten irgendwelcher Sicherheitseinrichtungen ist tabu. Ein nettes Schwätzchen mit den Mädels aus der Reisegruppe, Vorlesen aus dem Kinderbuch oder ein sonores Schnarchen sollten das Flugpersonal in Sicherheit wiegen.

Insgesamt hatte ich an Gate 4 drei Personengruppen als perfekte Agenten ausgemacht:

  1. Damenreisegruppe auf dem Weg zum Mädelsurlaub. Perfektes Styling, reges Austauschen von Kochrezepten und das Lästern über Ehegatten machten hier ein geniales Tarnkonzept aus.
  2. Familie mit drei Kindern. Gestresster Ehemann, überfordert mit den Fragen des Juniors zur Flugtechnik. Beim Kinderwickeln eingespannte Ehefrau. Und das Töchterchen mit Malstiften.
  3. Das Rentnerpaar: Rollator zur Hand, Zweitlesebrille in der Handtasche und attraktive Stützstrümpfe. Das permanente Meckern über alles und jedes, eine gewisse Portion an allgemeiner Besorgniss und umfangreiche Besserwisserei runden hier das Konzept ab.

Ich konnte mich hier leider nicht qualifizieren und werde beim nächsten Agenteneinsatz an meiner Tarnung arbeiten müssen.

Die letzten Worte des Captains vor dem Abflug möchte ich euch zum Abschluss nicht vorenthalten:

„So ihr Lieben. Jetzt geht’s los.“

Flickr Foto perry_marco

Morgen geht es hier im Reisetagebuch weiter mit einem Spaziergang durch Puerto de la Cruz und den ersten Caches.

„Wer bezahlt 20000 für eine Fahrt nach Paris?“ „Wer bezahlt 20000 für eine Fahrt nach Paris?“

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