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Mordversuch mit Einkaufswagen – Recht – Teil 3

Justizia

„Gerechtigkeit ist die Nächstenliebe der Weisen.
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), dt. Philosoph u. Mathematiker

Letzte Woche habe ich von einem Fall berichtet, bei dem vier junge Frauen teilweise zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie Einkaufswagen und Feuerlöscher aus dem achten Stockwerk eines Hochhauses herunterwarfen.

Wie immer drängten sich mir verschiedene Fragen auf. Zunächst wollte ich wissen, mit welcher Wucht – hier Impuls – die geworfenen Gegenstände unten aufkamen.

Da das Urteil sehr unterschiedlich aufgenommen wurde, stelle ich heute Fragen zur Gerechtigkeit und ihrem Verhältnis zum Recht.

Was ist Gerechtigkeit?

Um die Frage nach der Gerechtigkeit des Urteils anzugehen, sollten wir zunächst prüfen, was denn Gerechtigkeit ist. Laut philosophischer Enzyklopädie bezeichnet Gerechtigkeit „…einen Zustand des sozialen Miteinanders, in dem es einen angemessenen, unparteilichen und einfordbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und Chancen zwischen den beteiligten Personen und Gruppen gibt.“

Zu fragen wäre also, ob es zwischen den Interessen der jungen Frauen im Verhältnis zu denen der Feuerwehrleute oder des Nachbarn einen angemessenen, unparteilichen und einfordbaren Ausgleich gegeben hat.
Der Schutz der körperlichen Unversehrtheit gegen die Beschränkung von Personenrechten über einen festgelegten Zeitraum.

Kann man das so aufwiegen? Kann man die Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit der Feuerwehrleute und des Nachbarn mit der Beschränkung der Personenrechte der jungen Frauen wieder gut machen? Fühlen sich die gefährdeten Personen dadurch besser? Ist ihnen Wiedergutmachung geschehen?

Die jungen Frauen haben den Feuerwehrleuten einen Präsentkorb überreicht und sich entschuldigt. Auch wenn die Feuerwehrleute dies als angemessen betrachtet und den jungen Frauen verziehen hätten, wären die Angeklagten nicht frei gesprochen.

Es ist nämlich nicht nur ein Aufwiegen der Interessen der Gefährdeten gegenüber denen der jungen Frauen, sondern auch der Interessen der Gesellschaft, in der die jungen Frauen leben. Womit wir einen Schritt von Gerechtigkeit zum Recht machen müssen.

Wie verhält sich das zum Recht?

Die Frage nach Gerechtigkeit ist zunächst eine ethische. Bei einer rechtlichen Betrachtung der Angelegenheit aber geht man grundlegend davon aus, dass die Normen einer Gesellschaft als verbindlich gelten. Es geht also nicht nur um einen Ausgleich der Interessen zwischen betroffenen Gruppen.

Es geht darum, ob eine der Regeln für den Umgang des Einzelnen mit anderen und für den Umgang mit der Gesellschaft gebrochen wurden. Diese Regeln sind die in unserer Gesellschaft bestehenden Gesetze.

Hier wird es einfacher: Ja, die jungen Frauen haben Gesetze unserer Gesellschaft gebrochen. Das ist nicht mehr so emotional behaftet, wie unsere Frage nach Gerechtigkeit. Es gibt Gesetzestexte, da kann man nachschlagen.
Was bleibt, ist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Strafen.

Im weiteren Verlauf der Artikelserie stelle ich also noch zwei Fragen:

  1. Was ist der Sinn und Zweck von Strafen?

  2. Wie könnte man den Fall zusammenfassend beurteilen?

Von den Lesern der bisherigen Artikel kamen noch mehr Fragen, denen ich auch nachgehen möchte:

  1. Warum wird aus “schwierigen sozialen Verhältnissen” als Entschuldigung angebracht? – von ElliPirelli

  2. Welche Maßnahmen gibt es im Gefängnis, damit Inhaftierte sich positive weiterentwickeln können? – von Eilinger

Habt ihr noch weitere Fragen, die euch interessieren?

Flickr Foto prex79
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