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Kalifornien brennt

Feuerwehrmann im Einsatz

30 000 fliehen vor den Flammen
focus.de

Tausende Menschen verlieren ihr Hab und Gut, werden obdachlos. Zahlreiche Einsatzkräfte kämpfen mit allen verfügbaren Mitteln gegen die Urgewalt. Ganze Landstriche werden vernichtet. Immer wieder kommen Menschen ums Leben.

Erstaunlicherweise trägt der Mensch nicht nur durch Klimakatastrophe und Fahrlässigkeit sondern zu diesen Bränden bei.

Klimawandel

Seit 1988 steigt die Zahl der schweren Waldbrände kontinuierlich. Bei der Suche nach möglichen Ursachen kommt man unweigerlich zunächst auf den Klimawandel. Die Erwärmung des Erdklimas führt zunächst an vielen Orten zu längeren und trockeneren Sommern. So auch an der Westküste der USA. Die gesamte Niederschlagsmenge sinkt hier und auch die Durchschnittstemperaturen steigen insgesamt. Die Böden und Wälder werden trockener und entzündlicher.

Moderne Forstwirtschaft

Bei der Gewinnung von Holz bleiben zunächst Äste, Baumspitzen und Restholz im Unterholz liegen und verwandeln sich mit der Zeit in perfektes Anzündholz. Bei den gefällten Bäumen handelt es sich meist um die stärksten und damit diejenigen, die im Falle eines Brandes am widerstandsfähigsten wären. Übrig bleibt das trockene Unterholz und die kleineren, leichter entflammbaren Bäume.

Retten, Löschen, Bergen, Schützen

Das Löschen ist die älteste Aufgabe der Feuerwehr. Zunächst mit Eimern, Leitern oder Einreißhaken bewaffnet versuchte sie der Feuersbrunst Herr zu werden. Mit immer besserer technischer Ausstattung – Wasserpumpen, Löschflugzeuge, etc. – stieg auch die Effizienz der Brandbekämpfung. Auf diese Weise konnte schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Fläche an verbranntem Land bei Waldbränden um 80% gesenkt werden.

Ab den 80er Jahren fing das Blatt an sich zu wenden: Es brachen immer mehr große Waldbrände aus, die von den Löschmannschaften nicht bewältigt werden konnten. Nur durch Regen und abfallenden Wind wurden die Brände gelöscht. Erst mit der Zeit wurde klar, dass die effiziente Waldbrandbekämpfung der vorherigen Jahrzehnte maßgeblich zu den neuen Riesenbränden beigetragen hatte.

Vom Blitz getroffen

Die meisten spontanen Waldbrände entstehen durch Blitzeinschläge. Aus Baumringdatierungen lässt sich schließen, dass ein solcher Brand vor der großräumigen, profesionellen Feuerbekämpfung unter natürlichen Bedingungen ca. alle 10 Jahre entfachte. Große, alte Bäume haben in den meisten Fällen eine außreichend dicke Rinde, um dem Feuer auf Stammhöhe zunächst standhalten zu können. Das trockene Unterholz und die jungen Bäume jedoch brennen ab. Da die Setzlinge nach den 10 Jahren vom letzten Brand noch nicht groß genug sind, kann ihr Feuer nicht auf die entzündlicheren Baumkronen des restlichen Baumbestandes überspringen. Der Brand verbleibt im Unterholz und auf den unteren Metern.

Die Mischung macht’s

Die großen, feuerresisteten Bäume fallen für die Holzgewinnung ab. Die Brandbekämpfung fördert die Ausbreitung des trockenen Unterholzes und leicht entflammbarer Setzlinge. Die Baumdichte steigt teilweise auf das Sechsfache, während der Bestand an feuerfester Baummasse sinkt. Zusätzlich frisst im Wald weidendes Vieh das ansonsten feuerdämpfende Gras.

Ein Funke im Stroh

Entsteht in einem solchen modernen Wald durch Blitz, Unachtsamkeit oder Brandstiftung ein Feuer, so hat es die besten Voraussetzungen sich unbeschränkt auszubreiten. Das dichte und trockene Unterholz geht auf wie Grillanzünder. Die Flammen greifen schnell auf den jungen Baumbestand über und vernichten diesen auch. Da diese jungen Bäume genug Zeit zum Wachsen hatten und es im Gegenzug kaum wirklich große Exemplare gibt, lodert das Feuer auch schnell in den Gipfeln der höchsten Bäume.

Ein unfassbares Inferno mit 100 Meter hohen Flammen und Temperaturen von über 1000°C führt zu einer Zerstörung, von der sich Flora und Fauna kaum erholen können. Die Folge sind oft Schlammlawinen und Massenerosion.

Der moderne Affe hat außerordentliche Möglichkeiten auf seine Umwelt einzuwirken und sie zu verändern. Seine Lebensspanne aber ist oft genug zu kurz, um die Folgen seiner Handlungen wirklich abschätzen zu können.

Mich würde interessieren, welche anderen bemerkenswerten Beispiele für diese Kurzsichtigkeit des Menschen euch einfallen?

Übrigens: Wenn ihr mal im ostfriesischen Landkreis Aurich seid, solltet ihr mal die Gemeinde Ihlow besuchen. Der dortige Ihlower Forst hat nicht nur schöne Caches zu bieten. Hier kann man auch sehen, wie ein der Natur überlassener Wald aussehen kann.

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Flickr Foto guidoitaliano
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