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Linner Rundweg: Reise ins Mittelalter

Burg Linn

„Das Mittelalter erscheint uns heute oft als düstere Epoche, voller Ritterromantik, Seuchen und Hexenverbrennungen.“
Ralph Berger, dt. Typograf

Die unter Denkmalschutz stehende Altstadt von Linn ist ein Highlight für alle Liebhaber historischer Stadtkerne, inkl. schnuckeliger Gässchen und Geschichte auf Schritt und Tritt.

vor 1000 n.Chr.

In der Nähe der Bauernsiedling Krinvelde, in der Grafschaft Kleve, errichtet eine Gruppe bewaffneter Männer an einer günstigen Stelle einen hölzernen Wachturm auf einem Wehrhügel. Mit der Zeit legen sie auch einen künstlichen Wassergraben und einen Palisadenzaun an. Eine Motte wird man es später nennen.

um 1000 n.Chr.

Der Edelherr von Lynn erbaut an der Stelle der Motte einen Wohn- und Wehrturm. Später baut er ihn zur Burg aus und ersetzt den hölzernen Palisadenzaun durch eine Schildmauer aus Tuffstein.

um 1200 n.Chr.

Otto von Linn kommt vom Dritten Kreuzzug zurück. Er ist beeindruckt von der byzantinische Baukunst. Mit all den Ideen macht er sich an den Ausbau der Burg.

um 1300 n.Chr.

Die Zeit der Raubritter ist gekommen. Die Burg wird als landesherrliche Verteidigungsanlage ausgebaut. Von hier aus kann man wunderbar Raubzüge gegen die Stadt Krefeld führen.

um 1500 n.Chr.

Die Burg hat die letzte große Belagerung, die fast an der Tagesordnung sind, überstanden. Sie wird weiter ausgebaut und mit einer neuen Mauer und neuem Graben geschützt.

um 1600 n.Chr.

Die Kriegskunst hat einen neue Erfindung anzubieten: Kanonen. Die Burg muss im Dreißigjährigen Krieg dem Beschuss dieser Monster standhalten. Vorhof und Lauf des Wassergrabens werden so angepasst, dass die Burg auch Kanonen zu ihrer Verteidigung einsetzen kann. Später werden Burg und Stadt Linn zu einer gemeinsamen Befestigungsanlage ausgebaut.

um 1700 n.Chr.

Die Burg wird wieder und wieder von den Franzosen belagert. Sie geht durch den Beschuss mehrfach in Flammen auf, bis sie so weit nieder brennt, dass sie nicht mehr bewohnbar ist.

um 1800 n.Chr.

Die Zeit der Ritter und Burgfräulein ist endgültig vorbei. Die Seidenbarone haben in Krefeld und Umgebung das Sagen. Einer von ihnen erwirbt auch die Burg als Sommerresidenz.

um 1900 n.Chr.

Der Nachlassverwalter der letzten Besitzer verkauft die Burg an die Stadt Krefeld. Die Burg verwildert über lange Zeit, wird aber schließlich restauriert, eingerichtet und als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

um 2000 n.Chr.

Ein moderner Affe, ausgestattet mit einem Ortungsgerät, sucht in Burgnähe nach einer versteckten Plastikdose. Nach der Beantwortung verschiedener Fragen zur Historie des Ortes und einem entspannten Spaziergang durch das malerische Örtchen Linn wird der moderne Affe fündig.

Die teutonischen Ritter, die mit angereist sind, sind von der wehrhaften Burg sehr angetan und beschließen hier auch eine Weile zu bleiben.

Dieser Cache ist geeignet für Kinder, Historiker und Sonntagsbummler.

Er empfiehlt sich nicht für Powerkletterer, Einsiedler und Lauffaule.

Linner Rundweg

Ich liebe historische Multis. Postet doch, wenn ihr mir einen oder mehrere empfehlen könnt.

Flickr Foto: Astraknolle

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60 Meter Adrenalin

Adrenalin

„Geht den Cache am besten nicht alleine an und macht nichts wozu ihr körperlich, geistig und ausrüstungstechnisch nicht in der Lage seid.“
Sir Loxley

Absolut geniale 60 Meter Adrenalin pur. Ein Cache, der die höchste Terrainwertung verdient hat und mit einem Erlebnis und Ausblick der Sonderklasse für die Mühen entlohnt: Dieser Cache gehört zu meinen all-time-favorites.

Korrektur (06.05.09): Wie ich heute erfahren habe, sind es wohl ’nur‘ 35 Meter. Der Größenwahn muss mich hier getrieben haben. Das Adrenalin hat aber für 60 ausgereicht 😉

Eine solche Herausforderung muss gut vorbereitet werden und bestimmte Sicherheitsregeln sollte man bei einem Cache mit Terrainwertung 5 beachten.

Klettere niemals alleine

Auch wenn Du der fitteste unter den Affen bist, kann immer etwas schief gehen: Du kannst Dich verletzen, Dich im Seil einklemmen, einen Materialfehler haben oder völlig ohne Deine Schuld in eine missliche Lage kommen. In einem solchen Fall kann Dein Partner zumindest Hilfe holen. Kletterst Du alleine, stirbst Du auch alleine.

Ich habe über das blaue Forum Andreas, Ralf und Kirsten kennengelernt und mich mit den dreien für einen Tag Abseilcachen verabredet.

Passe Deine Ausrüstung den Bedingungen an

Ein normaler Affe hat nur seinen Pelz und seine Arme. Du hast ein Großhirn: Überlege Dir vorher genau, wo, was und wie Du klettern willst. Dynamisches oder statisches Seil? Im Vorstieg, Toprope oder ’nur‘ Abseilen? Wanderstiefel, Turnschuhe oder Kletterschuh? Dichter Wald oder kahler Felsen? Granitblöcke oder brüchiger Schiefer?

Ich hatte meine alte Kletterausrüstung nochmal geprüft. Altes dynamisches Seil, für Toprope oder Abseilen noch gut genug; zum Vorstieg würde ich es wahrscheinlich nicht mehr einsetzen. Klemmkeile und Expressen konnten zu Hause bleiben. Im Nachhinein habe ich beschlossen, mir endlich einen Kletterhelm zu kaufen, bevor ich weitere Felsen bekraxle.

Mach Dich erstmal warm

Du bist gerade erst wach geworden und rennst direkt zum Vorstiegklettern? Fang klein an, sei etwas geduldiger. Dein Primatenleben wird es Dir danken. Bouldere ein wenig im Flachen. Nimm es mit einer schiefen Ebene auf. Prüfe, ob Du alle Techniken noch drauf hast.

Ich war schon seit ein paar Jahren nicht mehr Klettern. Daher habe ich mich mit Leuten zusammen getan, die aktuell mehr Erfahrung hatten. Bevor es überhaupt zum großen Abseilen ging, haben wir uns z.B. an 45° versucht. Danach war die Erinnerung im Kleinhirn und den Muskeln wieder zurück gekehrt.

Prüfe Deine Koordinaten

Weißt Du wirklich, wo es lang geht? Auch unsere Vorfahren haben ihre Jagdrouten gekannt und geplant. Schau Dir die Routenbeschreibung genauer an. Hast Du an alles gedacht? Gibt es Hinweise auf besondere Gefahren? Erfüllst Du alle Voraussetzungen?

Der große Abseilcache war ein Multi. Wir mussten erst die Eingangskoordinaten finden, was bei dem dichten Blätterwald nicht so einfach war. Auch auf das erste Hindernis in Form eines Bretterzaunes waren wir dank der Vorlogs vorbereitet. Und ja, wir haben uns das Spoilerbild angeschaut. Das erwies sich als sehr nützlich, denn der Cache war von oben nicht zu sehen.

Lern von den Jedis

Auch wenn Du Dir diese geniale Route für den heutigen Tag vorgenommen hast: Es ist keine Schande sie nicht zu gehen. Schau Dir sehr genau an, was vor Dir liegt. Vielleicht hast Du Dir das anders vorgestellt. Gehe in Dich und kläre ganz genau, ob Du körperlich und mental die Herausforderung meistern kannst. Mach es wie die Jedis und prüfe Deine Gefühle. Sie sind Dein evolutionsbiologischer Kompass. Verlass Dich auf sie.

Am oberen Viaduktgeländer angekommen sah das Ganze schon verdammt ernst aus. 60 Meter sind nicht ohne. Wer hier abstürzt…
Einer aus unserem Team, Andreas, war sich unsicher und beschloss dann nicht mit abzusteigen. Ein großes Lob, dazu zu stehen!

Geh auf 100%

Geh im Kopf nochmal genau durch, wie das Ganze ablaufen soll. Befestige das Seil, mach Deine Ausrüstung startklar. Prüfe alle Knoten und lass Deine Ausrüstung von Deinem Partner prüfen. Mach Dir nochmals klar, ob Du alles drauf hast, was die Tour von Dir fordert. Dies ist die letzte Gelegenheit um mit Würde zurückzutreten.

Wir hatten das gegenüberliegende Geländer als sinnvollen Punkt zur Seilbefestigung ausgemacht. Ralf machte das Seil über drei Geländerstreben mit doppeltem Achterknoten fest. Anschließend warfen wir das Seil über das eigentliche Einstiegsgeländer. Dort haben wir den Seillauf mit einem Karabiner und einer kleinen Prusikschlinge fest gemacht. Nachdem wir Ralfs Ausrüstung geprüft hatten, ging es für ihn als ersten los.

Genieß die Tour

Du hast an alle gedacht. Du bist hervorragend vorbereitet. Dann tu es auch. Geh Deine Route und genieße es aus vollen Zügen. Du hast es Dir verdient, dieses Erlebnis der Extraklasse.

Ich könnte jetzt viel erzählen: Wie sich 60 Meter wirklich anfühlen.Wie der Ausblick war. Wieviele Zuschauer ich hatte. Dass die Dose ekelig tief unter dem Viaduktbogen stand und ich kaum dran kam. Dass ich zwischendurch dachte, die Dose niemals loggen zu können.

Aber das sind nur Worte. Die haben wir erst sehr spät gelernt. Die wirklich tiefen Gefühle laufen viel weiter unten ab.

Der moderne Affe

Sich Herausforderungen stellen und sie zu meistern gehört zu den psychologisch wichtigsten Elementen der menschlichen Erfahrung. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen werden überprüft und gestärkt. Die eigenen Grenzen getestet und neu gesetzt. Schließlich bilden wir – reflektiert an unseren Erfahrungen – unser Selbstbild neu und schaffen durch verändertes Verhalten auch ein neues Fremdbild.

So kann ich jetzt behaupten, nach diesem Cacheerlebnis ein neuer Mensch zu sein.Abhängen von Sir Loxley

Habt Ihr auch Cacheerlebnisse, die Euch verändert haben? Welche Caches stellten für euch eine echte Herausforderung?

In den nächsten Tagen werde ich mehr dazu schreiben, was bei einem solchen Erlebnis in unserem Körper passiert.
Nachtrag: zur Physiologie des Stress‘ hier entlang.

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Mensch ärger Dich nicht!

Naturschutzgebiet 'Hülser Bruch'
Der moderne Affe, der Jäger und Sammler kommt hier voll auf seine Kosten.

Zu unserem hominiden Erbe gehört die langsame kontinuierliche Bewegung über längere Strecken. Eine Multi-Tour mit dem Rad oder zu Fuß ist nach einer Woche am Schreibtisch ideal. Radeln, Suchen, im Unterholz pirschen, das Hirn einschalten, die Landschaft genießen und am Ende mit einem Erfolgsergebnis nach Hause radeln.

‚Rollenspiel fällt aus, Rafał ist krank.‘

Mit der Nachrichtenlage blieb mir nichts anderes übrig als zu cachen. Helm auf, GPS aufs Rad geklemmt, schnell ein paar Caches im GSAK gesucht, und los geht’s.

Ein Cache im Hülser Bruch für Leute mit Würfelglück. Das Prinzip ist einfach: An jeder Station wurde eine Dose mit einem Würfel und einer Anleitung versteckt. Je nach Würfelergebnis erhält man andere Koordinaten, und macht je nach Würfelglück eine Runde von 3,5 bis 5km.

Station1: Ein Opa-Muggel besetzt die anliegende Parkbank, mit bester Sicht auf mich und mein Rumgekrose im Unterholz.
Station2: Jemand hat hier seinen Müll abgeladen. Ich komme in ersten Kontakt mit Riesenbrennnesseln.
Station3: Die Brennnesselpest weitet sich aus. In der Dose ist kein Würfel, ich muss randomisieren.
Station6: Geocaching-Logo und die obligatorischen Brennesseln gefunden, aber leider keine Dose. Also zurück zu Station 5. Auf dem Weg mache ich Bekanntschaft mit einem Spinnenforscher.
Station8: Ein wirrer Biologe erzählt mir etwas über rheinische Flugsande im Hülser Bruch und will sich unbedingt ein GPS-Gerät kaufen. Nach kurzer Vorführung des Geräts und Exkurs zum Gauß-Krüger-Koordinatensystem ist er begeistert und widmet sich weiter seiner Buddelei.

… nach bestimmt 10 Stationen und ganzen Wäldern von Brennesseln finde ich endlich die wirklich große Dose.

Ich tausche Earthdawn-Karten gegen ein Tic-Tac-Toe-Spiel. Der Travel Bug JoLiSan1 geht hier weiter auf Reisen. Statt dessen kann ich den Teutonic Knights Geocoin mitnehmen.

Unsere Vorfahren hätten wahrscheinlich noch einiges Mehr mitnehmen können.Mensch ärger Dich nicht

Was sind eure Lieblingscaches für eine kleine Radtour oder Kurzwanderung?

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